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Musik im Märchenhotel

Nach einer unbefriedigenden Kinderhotelerfahrung im Ausland vor einigen Jahren hat es lange gedauert, bis sich meine Familie noch einmal wagte ein Kinderhotel auszuprobieren. Was wir im Märchenhotel Bellevue in Braunwald (Kanton Glarus) erlebt haben, hat uns gezeigt, dass es auch anders geht.

Wir sind ja nun ein Kindermusikblog und kein Reiseblog, deshalb sei auf eine ausführliche Hotelrezension HIERHIN verwiesen.

Der Autor und Gast hat sehr treffend beschrieben, was das Märchenhotel und sein Team zu bieten hat. Jedes Wort können wir zu 100% unterschreiben!

An dieser Stelle zeigen wir euch das spannende Interview, das ich mit Gastgeber Patric Vogel zur Bedeutung von Musik im Märchenhotel führen durfte. Dabei habe ich Erstaunliches festgestellt.

 

 

 

Herr Vogel, Märchenhotel. Hier spielen Märchen eine wichtige Rolle. Da denke ich sofort an die Grimm’s Märchen und leider habe ich böse Kindheitserinnerungen daran. Diese Märli haben mich immer sehr verängstigt.

«Das stimmt! Gerne erzähle ich Ihnen, welche Märchen bei uns vorgetragen werden und warum. Den Anfang nahm die Märlitradition noch zu der Zeit, als mein Vater das Hotel führte. Es war damals noch nicht als Kinderhotel positioniert. Vierzig Jahres ist es her, dass ein kleines Mädchen im Speisesaal weinte. Mein Vater hatte eine Idee, um die Wartezeit für das Mädchen zu überbrücken. Er las ihm ein Märchen vor. Das Mädchen fragte daraufhin, ob er ihm morgen wieder ein Märchen vorlesen würde, wenn es denn brav sei. So kam es, dass der Hoteldirektor fünf Abende in Folge Märli vorlas. Nach Abreise der Gäste war diese Sache schnell vergessen. Es sprach sich aber herum, dass es da ein Hotel in den Glarner Bergen gäbe, wo der Hoteldirektor persönlich den Kindern Märchen vorläse. So wurde aus einem «Unfall» eine Tradition, die auch wir, seit wir das Hotel 2011 übernommen haben, weiterführen. Bis heute wird täglich um 18 Uhr den Kindern ein Märchen erzählt.»

 

Die Grimm’s Märchen oder andere traditionelle Märchen stehen aber nicht im Vordergrund. Wie finden Sie dann Ihre Geschichten?

«Die Schwierigkeit bei traditionellen Märchen ist, dass die Kinder sie häufig bereits kennen. Dann intervenieren sie empört, dass Mami oder Papi dies aber anders erzählt habe. Bei vielen Geschichten ängstigen sich die Kinder auch, vor allem die Kleineren, so wie Sie das empfunden hatten. Dies muss nicht sein. Mein Vater hat festgestellt, dass es wichtig ist, dass die Märchen für die Kinder erlebbar werden. Wir erzählen Geschichten, bei denen alle halbe Minute eine Interaktion mit den Kindern stattfindet. Wir stellen Fragen, die sie zum Mitmachen und Mitdenken einladen. Mein Vater hat uns 30 Märchen auf Video aufgenommen, die er frei gesprochen erzählt. Es darf kein Buch zwischen dem Erzählenden und den Kindern sein, keine Barriere. Zum Beispiel ist da das Märchen vom Luusbueb, der gerne Indianerlis spielt und eine Laterne vor dem Verbrennen rettet. Die jungen Zuhörer helfen bei der Rettung mit und die Laterne macht mit dem Luusbueb eine Weltreise, bis sie wieder in einem Garten aufgestellt wird. Einmal landet die Laterne in Dubai, reitet auf Kamelen, ein anderes Mal im Braunwald und begegnet dem Zwerg Bartli. Meine Frau und ich, wir wechseln uns beim Märli Erzählen ab, und das ganze Team haben dieses Videomaterial verinnerlicht. Heute entwickeln wir die Märli selber weiter und bauen sogar Tagesaktuelles mit ein.»

 

Die Parallelen zur Kindermusik sind erstaunlich! Auch mit Musik erzählen wir Geschichten, bei denen die Kinder nicht nur tanzen, sondern mitmachen können, in Rollen schlüpfen und spielen. Welche Rolle spielt denn Musik im Märchenhotel?

«Musik spielt eine grosse Rolle. Mein Vater hat immer gesagt: «Jeder Showact braucht zwingend die richtige Musik, damit es wirkt!» Dies versuchen wir stets umzusetzen. Wöchentlich gibt es 2 bis 3 Angebote, bei denen die Kinder den Eltern im Speisesaal eine Show präsentieren und wir die passende Musik dazu auswählen: Die Modeschau, die Überraschung für die Eltern (Anm. d. Red.: Die wird hier nicht verraten, es ist aber mega! Hingehen und erleben!) und die Kinderdisco. Die Kinder lieben das Flieger-Lied oder auch die Schwiizergoofe, häufig bringen sie auch selbst Vorschläge oder das Kinderbetreuungsteam wählt die Musik.»

 

Gibt es bestimmte Rituale, die sich immer wiederholen und musikalisch begleitet werden?

"Ja, die gibt es! Wenn die Dampflok Emma die Kinder zum Kinder-Z'Nacht abholt, wird "En Isebahn chonnt" gesungen, ebenso singen die Kinder immer ein Lied, wenn sie gemeinsam die Tiere füttern gehen. Musik spielt also auch im Märchenhotel eine wichtige Rolle."

 

Das freut uns wahnsinnig! Und nun gibt es neuerdings auch Musik von uns im Märchenhotel! Und da meine Familie und ich unser Kinderhotel-Trauma überwunden und so dermassen begeistert sind vom Märchenhotel, werden wir bereits in den nächsten Ferien wieder hinreisen, um Braunwald im Frühling zu erleben.

 

Herzlichen Dank, Herr Vogel, für das tolle Gespräch und Ihnen und Ihrem ganzen Team für einen unvergesslichen Aufenthalt!

 

Miriam & die ganze Familie Huwiler

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